Vom Schweigen zum Handeln - Sexualisierte Gewalt im professionellen Alltag

Eine Einführungsveranstaltung mit einer sprachlichen Analyse und den verschiedenen Definitionen rund um das Thema sexualisierte Gewalt.

Anhand des Konzeptes von Wildwasser Bielefeld e.V. werden pädagogische und beratende Angebote, lokale Hilfsangebote und soziale Netzwerke vorgestellt. Darüber hinaus werden auf der Grundlage theoretischer Ansätze lösungsorientierte Interventionsmöglichkeiten für unterschiedliche - psychosoziale - Felder erarbeitet und diskutiert. Insbesondere die spezifischen Erfordernisse im beratenden Kontext werden ausführlich heraus gearbeitet.

Zur Konstruktion von Bildern in den Medien

Während sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Frauen über Jahrzehnte stark tabuisiert war, hat die Thematik momentan in den Medien Konjunktur, wird zum Medienereignis, das in Form von plakativen Überschriften und Kinderfotos aufgearbeitet und vermarktet wird. Durch die - häufig sensationsheischende und spektakuläre - Berichterstattung zementieren Medien gesellschaftliche Klischees und es werden Bilder produziert, die über die gesellschaftliche und professionelle Ebene hinaus, bis in die Eigenwahrnehmung der Betroffenen hinein wirken.
Im Rahmen der Veranstaltung werden verschiedene Zeitungsartikel analysiert und die Folgen der Berichterstattung für den spezifischen Umgang mit dem Phänomen "Sexualisierte Gewalt in der Kindheit" heraus gearbeitet.

"Wenn sexualisierte Gewalterfahrungen die Biographie ver-rücken" - Zum Zusammenhang von Missbrauch und psychischen Krisen

Seit langem ist bekannt, dass sexualisierte Gewalt die physische und psychische Integrität von Mädchen und Frauen bedroht, dass Gewalt Körper, Geist und Seele ver-rücken kann: Suizidale Krisen, psychotische Episoden, Depressionen u.a.m. können die Folge sein.
Gleichzeitig erfahren wir in der praktischen Arbeit, dass den Frauen häufig notwendige finanzielle und persönliche Ressourcen fehlen. Es fehlen soziale Orte außerhalb der standardpsychiatrischen Versorgung, die den Wunsch der Frauen berücksichtigen, nach allem, was sie überlebt haben, nicht auch noch als psychisch krank oder verrückt abgestempelt zu werden.
Im Rahmen der Veranstaltung wird der Zusammenhang von sexualisierten Gewalterfahrungen und Psychiatrisierung analysiert und das Konzept des Wildwasser-Cafés, einem Kontakt- und Treffpunkt für Frauen mit und ohne Psychiatrieerfahrungen, vorgestellt. Folgende Themen können bearbeitet werden: Möglichkeiten und Grenzen in der Treffpunktarbeit mit traumatisierten Frauen, Ressourcenaktivierung und Kontaktförderung im pädagogischen Ansatz, der Einsatz von kreativen Elementen und die Reflexion der pädagogischen Leitung.

Neue Wege nach dem Trauma - TRIMB, eine "neue" Technik der Traumabearbeitung

Neuere Forschungsergebnisse legen nahe, dass Traumata in den archaischen Teilen des Gehirns gespeichert werden. Dieser Annahme folgend bekommt der Körper eine wichtige Funktion bei der Auflösung von Traumata und wird somit auch stärker in den therapeutischen Prozess miteinbezogen.

In dieser Veranstaltung wird die Technik TRIMB (Trauma Recapitulation with Imagination, Motion and Breath) vorgestellt und das zugrunde liegende Traumakonzept erörtert. Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung werden kritisch reflektiert und diskutiert.

Sexualisierte Gewalterfahrungen im Leben heute alter Frauen

Mit dem Alter rückt die Vergangenheit näher und zurückliegende Erinnerungen an belastende Erlebnisse können in der Lebensphase Alter wieder aufbrechen. Heute alte Frauen unterliegen einem erhöhten Risiko sexualisierte Gewalt in ihrem Leben erfahren zu haben, denn neben Missbrauch im familiären und sozialen Nahraum können – wie ca. zwei Mio. andere Frauen – Opfer von sexualisierter Kriegsgewalt im Kontext des Zweiten Weltkrieges geworden sein. Im Alter kann es durch gravierende Einschnitte – wie etwa eine veränderte Wohnsituation, den Verlust des Partners oder eine Pflegebedürftigkeit – zu einem Erinnern der damaligen Gefühle und somit zu einem Wiedererleben des Traumas kommen. Die Auswirkungen dieser Trauma-Reaktivierung können sich in der Arbeit mit alten Menschen in ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen äußern und professionell Pflegende oder pflegende Angehörige vor große Herausforderungen stellen.

In Veranstaltungen zu diesem Thema wird über sexualisierte (Kriegs)gewalt, mögliche Folgen und Retraumatisierungen/Trauma-Reaktivierungen in der Lebensphase Alter informiert und diskutiert. Zusammen kann anhand von praktischen Beispielen der alltäglichen Arbeit an einer professionellen Handlungssicherheit im Umgang mit betroffenen Frauen gearbeitet werden.

Sexualisierte Gewalt im Leben von Frauen mit Behinderungen

Eine Bielefelder Studie zur Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Behinderungen (Nov. 2011) kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass Frauen mit Behinderung zwei- bis dreimal häufiger sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jungend ausgesetzt sind, als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Der Alltag behinderter Frauen ist oftmals von Fremdbestimmung und Mehrfachdiskriminierung geprägt und trägt somit zu diesem erhöhten Risiko bei.
Es hat sich herauskristallisiert, dass es für die betroffenen Frauen hilfreich ist, wenn Angehörige und Professionelle für das Thema sensibilisiert sind. Und auch für Professionelle ist es in dem konkreten Alltag eine Unterstützung auf ein Basiswissen über Traumatisierung zurückgreifen zu können. Situationen und Verhaltensweisen werden oftmals nachvollziehbarer, so dass eine höhere Handlungssicherheit entstehen kann und der konkrete Kontakt erleichtert wird.

Veranstaltungen zum Thema bieten einen grundlegenden Einstieg in das Thema „Sexualisierte Gewalt in der Kindheit und Jugend “ und deren mögliche Folgen. Ziel ist es, neue Impulse und Ideen zu sammeln und den “praktischen Handwerkskoffer“ zu erweitern.

Sexualisierte Gewalt, Trauma und Sucht

Die Biographien von Menschen mit einer Suchterkrankung sind häufig geprägt von traumatischen Lebensereignissen. Der Konsum von Drogen kann eine Strategie sein, mit den erlebten Traumata und den daraus resultierenden Belastungen umzugehen. In Veranstaltungen zu diesem Thema wird über Vorgänge bei einem Trauma-Erleben, mögliche Folgen und Zusammenhänge zwischen Traumatisierung und Suchtentwicklung informiert. Ziel ist es, anhand praktischer Beispiele der TeilnehmerInnen Handlungssicherheit im Umgang mit dem Thema zu entwickeln.